Sogar Ärztin infiziert: Masernwelle erfasst Wien und Niederösterreich

Quelle: Heute

 

Masern

Masernfälle sind zuletzt wieder angestiegen (© Fotalia/ Symbolbild)

Ärzte in Niederösterreich und Wien kämpfen derzeit gegen eine gefährliche Masernwelle. Die Viren sind sogar in ein Krankenhaus eingeschleppt worden, eine Ärztin wurde infiziert. Im Jahr 2013 hatte sich die Anzahl der Infektionen im Vergleich zum Jahr davor mehr als verdoppelt. Experten sehen den ungenügenden Durchimpfungsgrad als Hauptursache. Das Gesundheitsministerium ruft in Form einer Kampagne zur Impfung auf.

Masern sind eine typische Kinderkrankheit, aber laut einer aktuellen Kampagne des Gesundheitsministeriums „kein Kinderspiel“. Das zeigen auch aktuelle Fälle in Ostösterreich. „Das Jahr hat kaum begonnen und doch werden wir schon wieder mit einem neuen Masernausbruch in Niederösterreich/Wien konfrontiert, der, um es umgangssprachlich auszudrücken, wirklich ‚alle Stückl’n spielt‘ …“, warnt Expertin Heidemarie Holzmann. Es handle sich „um eine der ansteckendsten Infektionskrankheiten des Menschen“.

Unfassbar schnelle Verbreitung
Wie schnell sich Masern verbreiten kann, zeigt folgende nun bekannt gewordene Kettenreaktion: Anfang Dezember 2013 erkrankte ein Dreijähriger an Masern und wurde ins Krankenhaus gebracht. Eine Ärztin steckte sich an, außerdem wurde in dem Krankenhaus auch noch ein elf Monate alter Säugling infiziert. Das Baby steckte wiederum zwei Erwachsene an.

Der dreijährige Ersterkrankte steckte zwei Familienmitglieder im Alter von 24 bzw. 31 Jahren an. Eine Person, die in einer Betreuungseinrichtung tätig war, schleppte sich in der Weihnachtszeit trotz Fieber und Hautausschlag an den Arbeitsplatz. Die Behörden leiteten sofort „Abriegelungsimpfungen“ im Umfeld der Patienten ein, doch es war zu spät.

Bei der Erhebung des Impfstatus der Betroffenen steckte sich eine nicht immune Sozialarbeiterin an. Und diese infizierte wiederum ihre beiden nicht geimpften Kinder. Diese besuchten einen Montessori-Kindergarten, was weitere Abriegelungsimpfungen nötig machten.

Impfung ab dem elften Lebensmonat
Gegen die Masern sollten 95 Prozent der Bevölkerung immunisiert sein. Die Erstimpfung sollte ab dem elften Lebensmonat erfolgen (95-prozentige Schutzrate). Die zweite Impfung (noch einmal 95-prozentige Schutzrate und damit faktisch 100 Prozent) sollte auf jeden Fall bis zum Ende des zweiten Lebensjahres verabreicht werden. In Österreich sind aber nur 60 bis 80 Prozent der Zweijährigen gegen Masern, Mumps und Röteln geschützt, obwohl die Dreifach-Kombinationsimpfung gratis ist.

Kinder, die vor dem zweiten Lebensjahr an Masern erkranken, haben das höchste Risiko eine tödlich verlaufende Spätfolge, die sogenannte SSPE (subakut sklerosierenden Panenzephalitis), zu entwickeln. Das ist eine unbehandelbare fortschreitende Gehirnentzündung.

Masern-Jahr 2013
Im vergangenen Jahr wurden 79 Masernfälle elektronisch gemeldet, im Jahr 2011 waren es nur 30 Fälle gewesen. 42 Prozent der Betroffenen waren sicher nicht geimpft, bei 49 Prozent war der Impfstatus unbekannt. Die meisten Erkrankungen gab es mit 19 in Niederösterreich.

Für Aufregung sorgten vor allem zwei Fälle. Im Frühjahr 2013 erkrankten im Raum Kitzbühel/St. Johann in Tirol vor allem Kinder und Jugendliche, deren Eltern Impfungen sehr kritisch gegenüber standen. In einem anderen Fall in Niederösterreich übertrug ein Erkrankter das Virus auf Rettungskräfte, Krankenpfleger und Ärzte, sieben Personen im Alter von 23 bis 62 Jahren waren betroffen.

Insgesamt wurde im vergangenen Jahr in ganz Europa wieder ein Anstieg der Masernfallzahlen verzeichnet. Laut dem European Centre for Disease Control (ECDC/Stockholm) wurden bereits für den Zeitraum Jänner bis Oktober 2013 mit mehr 11.000 Fällen knapp 3.000 mehr Fälle gemeldet als im 2012. Mehr als 90 Prozent davon traten in Italien, Großbritannien, den Niederlanden, Rumänien und Deutschland auf. Große Ausbrüche gab es auch in Georgien, der Türkei und in der Ukraine.

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